“Deutschland hat seine Chance verpasst”

 

In Brandenburg fehlt es an qualifizierten Mitarbeitern, junge Leute wandern nach Westen aus und in Frankfurt (Oder) werden aus Mangel an Mietern Wohnhäuser abgerissen. Würde diese Situation heute anders aussehen, wenn sich Deutschland entschlossen hätte, den Arbeitsmarkt für Polen früher aufzumachen?

Laut Frau Barbara Richstein, einer CDU-Abgeordneten, ist die Antwort auf diese Frage nicht leicht. Im Jahr 2004 hat man von der polnischen Seite befürchtet, dass Deutsche anfangen würden, Land in Polen anzukaufen. In der deutschen Gesellschaft existierten wiederum Befürchtungen, dass die billigeren Polen deutschen Bürgern ihre Arbeitsplätze wegnehmen würden, falls der deutsche Arbeitsmarkt eröffnet werden sollte. Im Jahr 2004 war die Arbeitslosigkeit in Deutschland größer als heutzutage.

Landtag von Potsdam

Landtag von Potsdam

Polen waren bereit, für niedrigere Löhne als Deutsche zu arbeiten, was noch zusätzlich die Situation der deutschen Arbeiter verschlimmern konnte. All das hat dazu geführt, dass Polen für deutsche Bürger die Möglichkeit eingeschränkt hat, Land in Polen zu kaufen und dass Deutschland den Zugang zu seinem Arbeitsmarkt für Polen begrenzt hat. Die Eröffnung des Arbeitsmarkts im Jahr 2004 würde bestimmt ein anderes Bild des gegenwärtigen Wirtschaftszustands und der Qualität des qualifizierten Fachpersonals in Brandenburg ergeben. Die von dieser Region stammende junge Generation wandert in diese Länder aus, die feste Einstellungen für Spezialisten anbieten, insbesondere in skandinavische Länder, daher ist auch ein Mangel an jungen, gut ausgebildeten Mitarbeitern sichtbar.

Barbara Richstein, MdL

Barbara Richstein, MdL

Die Auswanderung vieler Brandenburger in die westlichen Länder hat einen Überschuss an leer stehenden Wohnungen verursacht. In Frankfurt (Oder) waren ganze Wohnblocks unbewohnt. Die frei stehenden Wohnungen in dieser Stadt sowie deren Mangel auf der anderen Seite der Oder im polnischen Słubice wurden ebenfalls zu einem Debattenthema in Brandenburg. Es wurde die Idee geäußert, diese an Polen zu vermieten, jedoch für einen niedrigeren Preis, unter Berücksichtigung der finanziellen Möglichkeiten der Polen. So würden diese Wohnungen nicht mehr leer stehen und Frankfurt (Oder) würde neue Einwohner gewinnen. Es sind jedoch Bedenken aufgekommen, ob deutsche Mieter, die eine volle Miete bezahlen, diese Situation auch akzeptieren würden. Aus diesem Grund wurde dieses Vorhaben nicht umgesetzt. In den letzten Jahren wurden also viele Wohnblocks abgerissen.

“Deutschland hat seine Chance verpasst”, meint Landtagsabgeordnete Richstein. Ihrer Meinung nach sei die Eröffnung des Arbeitsmarkts im Jahre 2011 für Brandenburg zu spät gewesen. Polen hätten schon früher die Möglichkeit, in andere westeuropäische Länder zu emigrieren. Brandenburg sei nun für polnische Mitarbeiter nicht mehr attraktiv. Es gebe aber auch Ausnahmen: in Gartz, einer kleinen Ortschaft im Norden des Landes, hätten sich in den letzten Jahren einige Dutzende polnischer Familien angesiedelt. Der Grund dafür seien die niedrigen Grundstücks- und Immobilienpreise, die für diese jungen Paare anlockend gewesen seien. “Nur dank den jungen Polen konnte die dortige Grundschule aufrechterhalten werden”, betont Richstein.

Daniel Strzelecki.

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