Die letzten zehn Jahre

Während unseres Besuchs in Słubice und Frankfurt (Oder) im Rahmen des Projekts “Deutsch-Polnische Medienagora” haben wir die Aufgabe bekommen, mit den Einwohnern dieser Städte Gespräche über das Leben an der Grenze zu führen. Unser Hauptvorhaben, das wir in der Gruppe festgelegt haben, war die Durchführung eines Interviews zu den deutsch-polnischen Kontakten sowie über die Veränderungen, die seit dem EU-Beitritt Polens am 1. Mai 2004 stattgefunden haben.

Am Anfang war dies sehr schwierig, da die Menschen nur sehr ungerne unsere Fragen beantworten wollten. Aber es ist uns gelungen einige Einwohner von Słubice zu finden, die uns geholfen haben, diese Aufgabe zu bewältigen. Die erste Person, die wir angesprochen haben, war eine Frau mit einem Kind. Wir haben ihr einige Fragen gestellt und hier kommen die Antworten:

 

Wywiad na ulicy Słubic / Interview auf der Straße in Słubice

Wir: Hat sich, ihrer Meinung nach, nach dem EU-Beitritt Polens etwas verändert?

Frau: Ja, ich glaube, ja. Wir sind offener gegenüber Menschen anderer Herkunft geworden.

Wir: Wie meinen Sie das?

Frau: Ich bin der Meinung, dass z.B. jeder Pole, der an der Grenze wohnt, die deutsche Sprache mindestens auf einem kommunikativen Niveau kennen sollte, sodass er sich problemlos wenigstens mit Touristen verständigen kann.

Wir: Nehmen Sie die Veränderungen, die nach dem Jahre 2004stattgefunden haben, positiv war?oblicza-stosunków-polsko-niemieckich-na-przestrzeni-10-lat-od-wstąpienia-polski-do-unii-europejskiej

Frau: Ja, auf jeden Fall!

Wir: Welche Vorteile gibt es denn dank der Eröffnung der Grenzen?

Frau: Die Eröffnung der Grenzen hat dazu geführt, dass es jetzt einfach ist, auf das andere Ufer der Oder zu kommen. Es vereinfacht die Kontakte mit den Ausländern, aber nicht nur das. Dadurch können wir alle Güter in Anspruch nehmen, die Deutsche benutzen. Und ich glaube, dass dies in beiden Richtungen funktioniert.

Wir: Sie meinen damit bestimmt den hochentwickelten Handelsverkehr in dieser Region?

Frau: Ja, auf jeden Fall!

Wir: Vielen Dank für das Interview.

Nach einer Weile haben wir dann eine Gruppe von Jugendlichen getroffen, die einverstanden waren, dass wir ein Gespräch mit ihnen durchführen. Aus dem Interview haben wir erfahren, dass man in den Grenzstädten sehr oft gleichaltrige Jugendliche treffen könne. Ihren Meinungen nach, würden Deutsche hierher überwiegend aus Geschäftsgründen kommen, z.B. um jede Woche in den polnischen Supermärkten einzukaufen. Sie haben ebenfalls die deutsch-polnische Universität Collegium Polonicum in Słubice erwähnt, die ihrer Meinung nach, junge Einwohner von Frankfurt und Słubice zusammenbringe. Wir haben die Gruppe auch gefragt, zu welchem Zweck sie die Grenze überquert haben. Die Antworten waren unterschiedlich. Die am häufigsten genannte Ursache waren jedoch die Einkäufe, weil sich die Produkte in Deutschland in der Herstellungsqualität und der Verfügbarkeit von denen in Polen unterscheiden würden.

Wie wir sehen konnten, hatten beide Seiten eine ähnliche Meinung zu diesem Thema. Die Vision der Frau mittleren Alters mit einem Kind beruhte auf den Erfahrungen der ersten Jahre nachdem Polen sich den restlichen EU-Mitgliedstaaten angeschlossen hatte. Die Jugendlichen aus Słubice hatten keine abgesonderte Meinung vertreten, die eine Widerstandshaltung oder Xenophobie gegenüber einer anderen Sprache oder anderen Sitten charakterisieren würde. Wir haben aber auch Menschen getroffen, die ihre Abneigung gegen enge Beziehungen mit deutschen Nachbarn eindeutig zeigten. Ein ca. fünfundzwanzigjähriger Einwohner von Słubice äußerte sich auf eine folgende Art und Weise: ,, Die deutsche Sprache geht mir so was von auf den Wecker//ist so besch…! Am liebsten würde ich ihnen allen die Hälse umdrehen!” Wir hatten auch die Möglichkeit einen Słubicer Bürger zu treffen, der jetzt in Berlin lebt und arbeitet. Wir haben ihn gefragt, ob er die Eröffnung der westlichen Grenze negativ betrachten würde. Unser Gesprächspartner hat uns zu verstehen gegeben, dass es keinerlei Gründe dafür gebe, diese These zu bestätigen. Seiner Meinung nach, habe er gerade diesen Umständen seinen aktuellen Arbeitsplatz zu verdanken und er sei damit absolut zufrieden.

Aus all den durchgeführten Interviews lässt sich schlussfolgern, dass die meisten Menschen sich mit Freude die westlichen Trends und Produkte aneignen und dabei die Zeiten vergessen, zu der die Grenzen überwacht wurden und die Handelsfreiheiten eingeschränkt waren. Die offenen Grenzen sowie zahlreiche Partnerprogramme zwischen der Woiwodschaft Lubuskie und dem Land Brandenburg tragen zu einer vielversprechenden Zukunft für junge Menschen bei, die in einer deutsch-polnischen Realität leben möchten.

Daniel Strzelecki (17), Natalia Siemaszko (17), Izabella Kucharska (17)

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