“Vorteile für beide Seiten”

Als am 01. Mai 2004 Polen der EU Beigetreten ist, waren viele Deutsche verängstigt. Sie fürchteten sich vor mehr Kriminalität in der Grenzregion, da die Grenze durchlässiger wurde und spätestens mit Polens Beitritt zum Schengener Raum ab 2007 auch die Grenzkontrollen wegfielen. In der Öffentlichkeit bestand eine Diskussionen über die Öffnung der Grenze, so auch für die beiden Gesprächspartner, die die Redaktion von odra.net sprach. Der 44-jährige Peter Böttcher*, Kaufmann im Gesundheitswesen, aus Bad Freienwalde und der 50-jährige Torsten Fischer*, Betreuer in der Behindertenhilfe, aus Frankfurt/Oder erinnern sich an den EU-Beitritt Polens vor zehn Jahren aus Sicht der deutschen Bewohner der Grenzregion.

Welche Hoffnungen, Ängste und Befürchtungen hatten Sie und haben sich diese Bewahrheitet?

Böttcher: Vor der Öffnung der Grenze hatte ich keine Vorurteile, doch ich muss sagen, dass sich meine Meinung in Bezug auf die Grenzöffnung geändert hat, als auch der Grenzschutz 2007 eingestellt wurde. Das liegt daran, dass in den letzten Jahren die Kriminalität im Grenzgebiet angestiegen ist, was aber hauptsächlich an den Ländern hinter Polen liegt. Das Bedeutet für mich, dass ich als Autofahrer mehr für meine Versicherung zahlen muss, da es mehr Autodiebstähle gibt. Allerdings muss ich auch zugeben, dass ich froh bin, beim Tanken in Polen zu sparen.

Fischer: Ich hatte Angst, davor das die Kriminalitätsrate steigt, nach dem Öffnen der Grenze. Ich habe mich auch davor gefürchtet, dass der Menschenhandel, angetrieben von den noch weiter östlich liegenden Ländern, schlimmer wird. Jedoch muss ich heute sagen, dass sich meine Befürchtungen nicht bestätigt haben.

 

Welche Veränderungen im deutsch-polnischen Verhältnis, gibt es seit der Öffnung der Grenze?

Böttcher: Sicherlich ist durch den Eintritt von Polen in die EU eine Verbesserung der Wirtschaft auf beiden Seiten zu erkennen. Ich als Person, jedoch merke kaum einen Unterschied. Am ehesten wird die jüngere Generation etwas davon merken, durch schulische oder ähnliche Aktionen. Ich war vor dem 01. Mai 2004 positiv eingestellt, wenn ich polnische Bekanntschaften gemacht hab und das bin ich heute noch.

Fischer: Ich glaube, dass sich viele Vorteile für beide Seiten ergeben haben. Sowohl wirtschaftlich als auch zwischenmenschlich. Mein Verhältnis zu Polen ist jedoch nicht anders als vorher, doch die Vorurteile bauen sich mit der Zeit ab. Für einen Freund von mir spielt dass eine größere Rolle, denn er will von Frankfurt/Oder nach Slubice ziehen und er erzählt von außerordentlich netten Menschen.

 

*Namen wurden von der Redaktion geändert

Dustin Ringewald, Nele Dittkrist und Levin Anders vom Projekt Odra.net führten diese Interviews durch.


 

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